Rundgang durch Walldorf

Ein Spaziergang durch den Ort zeigt zahlreiche imposante Gebäude und kann über eine große Vergangenheit berichten:

schafhofDer ältere Teil des Dorfes Walldorf liegt auf zwei Hügeln, die in östlicher Richtung nach der Stelle verlaufen, wo Herpf und Werra sich vereinigen.

Der Walldorfer Schafhof ist wohl der älteste Teil des Ortes. Zu dem Marschalk’schen Gut, welches bereits um 1649 erwähnt wird, gab es einen Schafstadel. Mit diesem Stadel im Schafhof ist vermutlich der noch heute vorzufindende Schafstall gemeint.

Nachdem einst das neue Schloss und die Wirtschaftsgebäude auf dem Vorwerk an der Herpf errichtet worden waren, konnte der Schafhof mit Wohnhäuschen bebaut werden. Sie waren hauptsächlich für die Marschalk’schen Schutzeinwohner und die in Marschalk’schen Schutz genommenen Judenfamilien bestimmt.

rotes haus walldorf werra

Das „Rote Haus“

Weiter geht es mit dem „Roten Haus“. Hierbei handelt es sich um das ältere Diemar’sche Schloss. Erbaut wurde der Holzfachwerkbau um 1600. Bis etwa um 1704 lebten hier Mitglieder der Familie von Diemar. Heute ist dieses Gebäude im Privatbesitz.

 

Der „Diemar-Stadel“

Das neue Schloss der Familie von Diemar wurde um das Jahr 1718 gebaut. Bis etwa zum Jahr 1854 war es bewohnt. Es stand es jenseits der Herpf, in unmittelbarer Nähe des heutigen Dorfteiches. Als es im Jahr 1857 wegen Baufälligkeit eingelegt werden musste, wurde der künstlich gearbeitete Stein, mit dem Diemar’schen Wappen in die Wand der Gutsscheune eingefügt.

wappen diemarstadel walldorfdiemar stadel walldorfNoch heute ist dieses Wappen am Diemar-Stadel zu sehen.

Die Herren Marschalk von Ostheim hatten seit etwa den Jahren um 1500 Mitsprache in Walldorf.

 

Ein Vorwerk, im unteren Teil des Dorfes an der Herpf gelegen, gehörte ebenfalls zum Marschalk‘schen Schloss. Um 1583 wurde an dieser Stelle ein neues Schloss gebaut. Erwähnenswert ist der Einbau einer Stuckdecke in der oberen Amtsstube.

Später wurde das Schloss und die darauf errichteten Gebäude dem Kreisarmenhaus zugeordnet. Bis Anfang der 1990er Jahre war hier ein Alten- und Pflegeheim untergebracht.

Danach stand es viele Jahre unbewohnt und verfiel.

altes-pflegeheim-walldorf-01platz-altes-pflegeheim-walldorf-01Ende des Jahres 2013 wurde es abgerissen. Diese Fläche soll nun als Grün-, Spiel- und Parkplatz umgestaltet werden. Die im oberen Amtszimmer angebrachte Stuckdecke wurde zum Teil mit großer Sorgfalt abgenommen und hat Ihren Platz im Gemeindezentrum Kressehof gefunden.

 

Der „Kressehof Walldorf“

Bürgerzentrum Kressehof Walldorf WerraDas im Jahre 1840 errichtete Wirtschafts- und Lagergebäude – nach dem Verwalter Kress als Kressehof benannt – wurde nach 1945 als BHG Gebäude (Bäuerliche Handelsgenossenschaft) genutzt und von 2000 bis 2007 zum Gemeindezentrum Walldorf ausgebaut.

 

Synagoge Walldorf

Im Jahr 1789 hatte die in Walldorf ansässige Judengemeinde die zum Marschalk’schen Gut gehörende Scheune am Tanzberg gekauft. Für einen Betrag von 1.550 Reichsthalern wurde hier eine Synagoge errichtet. Das jüdische Gotteshaus wurde im Jahr 1791 in Gebrauch genommen. Im Jahr 1844 wurde die Männersynagoge mit einer Galerie versehen, deshalb wurde ein turmähnlicher Vorbau errichtet, an dem eine Uhr angebracht war.

synagoge-walldorf Mauer der alten SynagogeIm Jahr 1851 wurde die Frauensynagoge durch Hinzufügung eines Teiles der Vorsängerwohnung erweitert. Nach der Progrom-Nacht hat die israelitische Kultusgemeinde in Walldorf am 15.11.1939 die Synagoge mit Wohnhaus und Hofraum an die Gemeinde Walldorf verschenkt. Wegen des Kriegsausbruchs und der herrschenden großen Wohnungsnot im Ort war aber bis zum Jahr 1942 kein Abbruch möglich. Im Dezember 1942 war der Synagogenraum und im Nebengebäude das Erdgeschoss als Wohnung belegt. Das obere Stockwerk im Nebengebäude war wegen Unbrauchbarkeit nicht zu belegen, diente zu Lagerzwecken. Im Jahr 1948 ist die Einsturzgefahr der Synagoge sehr groß.

Am 19. März 1949 erhält der Walldorfer Gemeinderat vom Kreisrat des Landkreises Meiningen die Genehmigung, die Synagoge wegen starker Baufälligkeit abzubrechen.

 

Jüdischer Friedhof

juedischer friedhof walldorfLohnenswert ist auch ein Besuch auf dem jüdischen Friedhof in Walldorf. Er befindet sich am Radwanderweg von Walldorf Richtung Wasungen. Der erste Teil dieses Friedhofes ist sehr alt, vermutlich wurden hier schon um 1790 jüdische Bürger beigesetzt. Im Jahr 1938 wurde der letzte in Walldorfer verstorbene Jude hier begraben. Erwähnenswert wäre in diesem Falle, dass wegen der fehlenden Metallvorkommen im Land für die Rüstungsindustrie im Jahr 1942 auf diesem Friedhof alles Metall zusammengetragen werden musste, um es dann den Behörden zur Verfügung zu stellen.

 
Als eine Besonderheit von Walldorf ist zu erwähnen: Der Gewölbebrunnen.

Gewöbebrunnen WalldorfIn der Brunnengasse steht, wenn auch etwas versteckt, der gewölbte Brunnen, datiert mit der Jahreszahl -1798-.  Man vermutet, dass der Walldorfer Brunnen als eine Spende der jüdischen Bevölkerung an den Ort Walldorf übergeben wurde. Das Brunnenwasser fließt aus zwei Rohren in ein kleines Becken, dessen Überlauf in die Herpf abfließt. Bis Mitte der 30er Jahre hatten diese beiden Rohre ihre eigene Bewandtnis. Das nach dem Ort liegende rechte Rohr wurde als „Christenbrunnen“ bezeichnet. Hier holten die meisten Walldorfer Bewohner ihr frisches „Brönnwasser“. Das linke Rohr, ehemals zur Salzmanns-Mühle hin liegend, wurde nur von der jüdischen Bevölkerung genutzt, deshalb wohl auch die Bezeichnung „Judenbrunnen“. In Walldorf galt ein ungeschriebenes Gesetz: Alle jüdischen Einwohner hatten grundsätzlich nur aus dem linken Rohr Wasser zu nehmen!

 

Obere Schmiede WalldorfDie unter Denkmalschutz stehende „Obere Schmiede“ auf dem Tanzberg gelegen, ist ein Holzfachwerkbau aus dem Jahr 1592. Man findet hier noch Andreaskreuze und etwas Schnitzereien an der Außenfront. Auffallend ist die enorme Stärke des Bauholzes.

 

Das älteste Wirthaus in Walldorf „Zum freien Ritter“ wurde bereits im Jahr 1548 erwähnt. Bei einem Umbau fand man an der östlichen Giebelseite einen Stein mit dem Marschalk’schen und dem Bettendorf’schen Wappen

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Dieser Stein wurde später über dem heutigen Eingang eingefügt. Das Wirtshausschild zeigte einen aufsteigenden vornehmen Reiter mit Dreispitz (dem freien Ritter), dem der Gastwirt ein gefülltes Bierglas entgegen hält. Darunter stand:

 

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Das ehemalige Gasthaus befindet sich heute im Privatbesitz.